Vormerken! «Die digitale Bombe»: Arte-Themenabend zum Web 2.0

Berlin/Straßburg (dpa) – Der Frankfurter Filmemacher und Autor Hermann Vaske (53) ist vom Web 2.0 begeistert. Er vergleicht die «digitale Revolution» in der Mitte der Nullerjahre mit dem Wandel der Industrie und Mobilität im 19. Jahrhundert – als Kutschen von Motoren abgelöst wurden.

Arte zeigt am Montag (22.45 Uhr) seinen zweistündigen Dokumentarfilm «Die digitale Bombe», in dem Vaske die neuen «Galaxien» bereist, die das Web eröffnet. Was Der Grimme-Preis-Träger («Das ABC der Werbung» (The A-Z Of Separating People From Their Money) bei Arte darlegt, ist bekannt und beschäftigt zurzeit viele Menschen, nicht nur Journalisten in klassischen Medien, von denen manche ihre Felle davonschwimmen sehen.

Was bedeutet es genau, wenn das Internet «erwachsen» wird? Wenn es nicht mehr nur starre Websites gibt, sondern Plattformen wie Facebook, YouTube oder Wikipedia, die das Zusammenspiel von Nutzern fördern und die frühere Trennung bei Medien zwischen Produzenten und Konsumenten aufheben.

Im ersten Teil, «The Social Galaxy», porträtiert Vaske Online-Stars von MySpace oder YouTube, im zweiten Kapitel «The Commercial Galaxy» schildert er, wie Netzideen vermarktet werden und in Teil drei, «The Media Galaxy», widmet er sich den Folgen für ältere Medien wie Fernsehen und Zeitungen.

Vaske hat unter anderem David Rowan getroffen, den Chefredakteur der britischen Ausgabe des Technologiemagazins «Wired», das bei Condé Nast («Vogue») erscheint. Rowan sagt trotz Verlags als Arbeitgeber Folgendes: «In der breiten Öffentlichkeit schlummern so viele Talente, die von traditionellen Verlagshäusern und Plattenfirmen immer ignoriert wurden.

Wenn heute beklagt wird, das Internet biete keine Möglichkeit, echte Talente zu erkennen, kann ich nur daran erinnern, wie oft die Talentscouts der großen Plattenfirmen als Fehltritt der Geschichte betrachtet wurden.» Die Masse sei gut darin, unerkannte Talente zu entdecken – eine fantastische, kreative Macht, die von den traditionellen Medien viel zu lange ignoriert wurde.

Vaske lässt auch Andrew Keen zu Wort kommen, Autor des Internet- kritischen Buches «Die Stunde der Stümper. Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören» (Hanser-Verlag). Er sagt so Sachen wie: «Das Web 2.0 ist eine Verblendung. Große kulturelle Vorteile werden versprochen und die Demokratisierung der Kultur wird angepriesen. Angeblich kann jeder seine eigenen Erfahrungen veröffentlichen ­ und sogar daran verdienen.»

Er hält das aber für eine Lüge. Das Web schaffe keine Möglichkeiten zum Geldverdienen für neue Medienberufe, sondern sei stattdessen ein Todesurteil für traditionelle Medien.

Vaske ist schlau genug, sich nicht radikal auf eine Seite zu schlagen. Er ist begeistert über die vielen Möglichkeiten des Web 2.0 und überzeugt, dass im Netz jeder seine Nische finden könne. Ein spannender, später Arte-Themenabend, nicht nur für Computer-Nerds.

Arte-Themenabend «Die digitale Bombe»

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