Deutsche Vermögensberatung (DVAG) funkt Social Media ans Y-Gen – Früher an später denken!

Allzu viele Blogger, pardon geschäftstüchtige Tagebuchschreiber, aus den Chefetagen der Finanzwirtschaft gibt es ja hierzulande nicht. Wir lassen es lieber sein, uns aufs virtuelle Glatteis der interaktiven Kundenansprache zu begeben, mag das Credo mancherorts lauten.

Ein Grund mehr, sich mal das Weblog der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) mit Sitz in Frankfurt am Main anzusehen – dort bloggt der Chef bzw. Vorstand Dr. Helge Lach nämlich persönlich:

http://www.dvag-unternehmensblog.de/

Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) ist übrigens  laut eigenen Angaben mit 5,4 Millionen Kunden der „größte und bedeutendste eigenständige Finanzvertrieb“. Umsatz in 2009: Rund 1,1 Milliarden Euro. Es sollen dort immerhin rund 37.000 haupt- und nebenberufliche Finanzaußendienstvertriebler im Einsatz sein.

Da bietet sich ein Engagement in sozialen Netzwerken zweifellos an, so auch auf Facebook, wo die DVAG schon recht aktiv ist:

http://www.facebook.com/DVAG.DE

Es macht durchaus Sinn, mal durchzugehen, wer denn die über 2.000 Fans der DVAG-Community nun sind. Zurück aber zum eingangs aufgeführten Weblog. Dort bloggt bekanntlich das Vorstandsmitglied Dr. Helge Lach. Bevor wir in die Diskussion einsteigen, wie innovativ dieses Angebot ist, empfehle ich noch diesen Artikel in dasinvestment.com über „bloggende Finanzvertriebe„.

Er zeigt, wie schwierig auch in der ideologischen Wahrnehmung der Spagat zwischen Vertriebsmasche und inhaltlicher Information bzw. „Produkt neutraler“ Aufklärung fallen kann.

Auffallend ist tatsächlich der große Kontrast zwischen Themen, die in ihrer conclusio pro Versicherungs- und Finanzvertretungsbranche ausfallen, und neutral verpackten Informationen, die eher pseudowissenschaftlichen Begehrlichkeiten geschuldet sind, untermauert anhand von „Studien“.

Es ist im Prinzip durchaus legitim, hier das Erkenntnisinteresse elegant auf die eigene Firma umzulenken. Man muss und sollte es dann aber nicht unbedingt „Social Media“ nennen, was der Finanzdienstleister hier in einem Kommentar auf thestrategyweb aber doch tut. Zitat:

Es gibt also durchaus Finanzdienstleister, die die Chancen des Social Web erkannt haben und für sich zu nutzen verstehen. Die DVAG hat sich zeitgemäß aufgestellt und ambitionierte Ideen für die Zukunft!

Quelle: thestrategyweb.com

Nun ja, die DVAG sortiert sich eigentlich eher im recht diffusen „Web 2.0-Milieu“ ein, was aber letztlich kaum einen Unterschied macht.  Denn laut Definition zeichnet sich Web 2.0 vor allem durch interaktive und kollaborative Kanäle aus, statt Einbahnstraßenkommunikation, die oft fälschlicherweise als Social Media bezeichnet sind.

Apropos: Die Möglichkeit Leserkommentare abzugeben, genügt übrigens weder den hohen Ansprüchen des Web 2.0, noch folgt sie jenen noch höheren von Social Media.

Es gibt auf dem Weblog der Chefetage, zweifellos ein verlängerter PR-Arm der unternehmerischen Eigendarstellung, jedoch tatsächlich einige für Marktbeobachter wie evtl. auch Kunden interessante Informationen, was sich bei der DVAG speziell und in der Branche allgemein gerade so tut.

Dennoch stellt sich die Frage, ob wir bereits von einem originären Web 2.0-Ansatz sprechen können. Letztlich wird das Internet hier immer noch als originärer Marketing- und Vertriebskanal betrachtet, statt als Marktplatz für Gespräche. So weit, so gut. Das Problem: Das Netz hat seine ganz eigenen Gesetze, gerade mit Blick auf Social Media.

Zum einen: Es reicht nicht unbedingt aus, wenn man, wie hier am 11. Mai auf einen „neutralen“ Artikel, etwa im Magazin Brandeins verweist, und diesen dann dazu benutzt, zu sagen: Wir machen das alles bereits richtig bei der DVAG, mit der Kundenansprache unserer Produkte an die „Generation Y“.

Wer den Artikel auf Brandeins gelesen hat, kann die Botschaften anhand einer Zwischenüberschrift überprüfen:

Was junge Mitarbeiter fordern: Vertrauen, Sinn und ein partnerschaftliches Verhältnis zur Firma

Quelle: Brandeins.de

Zugegeben, die DVAG manövriert sich hier in einen gewagten intellektuellen Spagat hinein, denn was die junge „Generation Y“, mit bis dato unbekanntem genetischen Code, von der verschuldeten Welt der Erwachsenen, die die künftige Generation Z wohl begleichen soll, das scheint derzeit für „Versicherungsmathematiker“ kaum anhand von nackten Zahlen voraus zu berechnen.

Oder doch? Nun ja, die Powerpoint-Präsentation des Finanzberaters zu Hause am Küchentisch dürfte bei der Berechnung von Folgekosten für künftige Generationen mit dem üblichen statistischen Achsenmodell glatt versagen.

Und die Beklemmungen der Generation Y nur als Steilvorlage anzusehen, sie dazu aufzufordern, rechtzeitig in die eigene Altervorsorge zu investieren (DVAG-Motto: Lieber früher an später denken!) – dieses allzu simple Patentrezept verfängt gerade bei den kreativen Nutzern von Social Media kaum, die das Internet zweifellos nicht nur als billigen und bequemen Shopping-Kanal interpretieren.

Es mag zwar nach innen in die Riege der Vertriebler hinein ein gewisses Mobilisierungspotenzial entfalten, und genau das ist wohl in erster Linie das Augenmerk aus der Chefetage mit dem Business-Weblog. Es erweist sich jedoch in der Form der direkten Interaktion mit dem Kunden als ein zu kurz gegriffener strategischer Ansatz. Aber gerade das war wohl auch nicht beabsichtigt.

Schließlich gibt es dafür ja seitens der DVAG noch diese hippe Seite – meist wird der Kunde mit einem  Mainstream-Thema wie z.B. Fußball, Urlaub oder die allgemeine Spendenbereitschaft für soziale Aufgaben adressiert, um ihn mit einem gewissen „Informationsmehrwert“ via „Social Media“ zu versorgen:

http://www.dvag-aktuell.de/

Meines Erachtens ist auch dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Aber nennen wir es lieber Werbung. Kurzum: Solche Seiten sind nicht unbedingt mit dem Begriff „Social Media“ oder Web 2.0 in Verbindung zu bringen.

Denn im sozialen oder genauer kommunikativen Medienuniversum auf Augenhöhe übernimmt der Kunde bekanntlich zumindest ab und zu die Regie – und greift durch seine Beteiligung in die Wertschöpfungskette ein. Genau darin liegt die Zielmarke im Web 2.0 – und Social Media ist das nützliche Instrument, um es schrittweise zu realisieren.

Bevor jetzt wieder die „German Angst“ vor Neuem und unbekanntem Terrain ausbricht: Der Absender müsste noch nicht mal alle Zügel aus der Hand geben. Auch die kollektive Schwarmintelligenz  kennt ihre Grenzen. Aber sich doch ein Stück weit öffnen, für Verbesserungsvorschläge oder noch mehr, für Kritik, das macht ja Sinn.

Aber daran wird wohl kaum ein Finanzvertrieb ein ernsthaftes Interesse haben. Es sei denn, er verdient mit Hilfe von „Social Media“ mehr Geld als vorher.

Wie bitte – mehr Profit mit Hilfe von Social Media? Das wäre nun wirklich eine reinrassige „Marketingente 2.0″. Aber auch das mag man als legitimen Interessenkonflikt innerhalb eines hierarchischen Informationsgefälles bezeichnen.

Nur bleibt dann von dem Mythos der „neuen Transparenz in der Finanzbranche“ kaum etwas übrig. So soll bei der DVAG mit Hilfe von „Social Media“ vor allem eines passieren: Nämlich Begeisterung an Themen geweckt werden, die für den normalen Bürger eigentlich „unerschwinglich“ sind.

Zum Beispiel ein Formel-Eins-Auto oder die Teilnahme als Fußball-Nationalspieler an einer Weltmeisterschaft. Denn von diesen Themen gibt es mit Blick auf die Werbepartner jede Menge an Nachrichten und Bildern, etwa über das Teamblog der DVAG:

http://www.dvag-teamblog.de/

Wir bilanzieren: Der Spagat zwischen Provisionsorientierung einerseits, beim freien Finanz- und Versicherungsverkäufer, pardon -berater – und dem berechtigten Interesse des Kunden nach ein bisschen Geldvermehrung, er wird sich anhand von kreativen Suchläufen via Social Media kaum entwirren lassen. Die Interessen sind doch recht unterschiedlich gestrickt.

Überhaupt – hier gibt es eine Übersicht über alle – nicht immer ganz nachvollziehbar als „Webzwonull- bzw. Social Media- Frequenzen“ klassifizierte Interaktionskanäle der DVAG mit, oder sollen wir besser sagen, zu den Kunden:

http://www.dvag.com
http://www.dvag-aktuell.de
http://www.dvag-unternehmensblog.de
http://www.dvag-teamblog.de
http://www.dvag-magazin.de
http://www.dvag-geschäftsbericht.de
http://www.youtube.com/user/DVAGfilme
http://www.twitter.com/dvag_de (ca. 130 Follower, folgt nur 5 Accounts)
http://www.flickr.com/photos/dvag_de
http://www.mister-wong.de/user/dvag

Quelle: http://lochmaier.wordpress.com

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