Web 2.0 als Stimmungsbarometer

Das Start-up Viralheat sammelt sekundengenaue Nutzereinschätzungen aus sozialen Netzwerken.

Immer mehr Firmen nutzen mittlerweile Social Media-Angebote, um das Potenzial neuer Produkte oder Dienstleistungen abzuschätzen. Die jüngsten Aktivitäten der User auf Facebook, Twitter und anderen Diensten können offenlegen, wie ein frisch im Kino angelaufener Film, ein aktuelles Must-Have-Gadget oder ein Promi momentan beim Publikum ankommt.

Neuartige Analysedienste erlauben es Unternehmen, das Web 2.0 als Stimmungsbarometer zu nutzen. Viralheat aus dem kalifornischen San Jose bietet Echtzeitdaten an, die die Haltung der Nutzer zu bestimmten Themen oder Produkten darstellen. Einer der ersten Kunden des „Social Trends“ genannten Dienstes ist der US-Sportsender ESPN: Er will die Technik nutzen, live zu ermitteln, wie die Nutzer gerade zu bestimmten Football-Teams stehen.

Viralheats Algorithmen stammen aus dem Bereich des maschinellen Lernens und können natürliche Sprache analysieren. Für Social Trends durchsucht werden aktuell Twitter, Facebook-Fanseiten, Videoangebote, die sich auf virale Clips spezialisiert haben sowie Googles Kurznachrichtendienst Buzz. So lässt sich nachsehen, wer gerade welchen Browser mag, wer die neue Cola von Pepsi gut findet oder Apple-Boss Steve Jobs.

Die in sozialen Netzen ermittelten Daten und Statistiken, die individuell anpassbar sind, verkauft Viralheat normalerweise gegen eine monatliche Gebühr. Firmenchef Ray Kadam will „Social Trends“ aber in einer Einfachfassung kostenlos anbieten – will ein Kunde die von ihm bezogenen Infos veröffentlichen, kann er das mit ein paar Mausklicks tun. 70 Prozent der Kunden täten dies heute schon, sagt Kadam.

Social Trends nutzt die frei zugänglichen Informationen, um ein Widget zu speisen, das sich in ein Blog oder eine Firmenwebsite integrieren lässt. Das Miniprogramm wird dann ständig über Viralheats Programmierschnittstelle mit neuen Informationen gefüttert. Neben Firmen, die mit der aktuellen Popularität ihrer Produkte werben wollen, könnten auch Nachrichtenangebote ein solches Widget etwa für topaktuelle Infografiken nutzen, sagt Kadam. Auch trendbewusste Blogger seien eine interessante Zielgruppe. Viralheat bietet seinen „großen“ Dienst ansonsten sieben Tage kostenlos an. Danach werden zwischen 10 und 90 Dollar im Monat fällig – je nach Umfang und Tiefe der Datenabfragen.

Um Social Trend zu nutzen, muss man sich einen Account anlegen. Dann ist es möglich, Charts zu generieren, die entweder einen einzelnen Begriff „tracken“ oder diesen mit anderen Themen vergleichen. Viralheat brüstet sich dabei mit seiner Datenbank-Live-Anbindung. „Unsere Infrastruktur ist robust gehört, mit sehr großen Informationsmengen umzugehen“, sagt Kadam. Dazu setzt das Start-up eine Kombination aus eigenentwickelter Soft- und Hardware ein. Mit dabei ist unter anderem ein eigener Web-Crawler, der sich durch die gewünschten Daten wühlt und sie nach den Wünschen der Nutzer aufbereitet.

Kadam sorgt sich nicht, dass das teilweise kostenlose Angebote Social Trends die Anzahl zahlender Kunden dezimieren könnte. Der Dienst biete nur einen Schnappschuss des gesamten Datenbestandes – fünf statt der insgesamt 72 Kriterien für Profis.

Viralheat ist indes nicht die einzige Firma, die das Social Web in Echtzeit nach bestimmten Suchbegriffen oder Produkten durchsucht. Alec Go, ein Stanford-Masterstudent, der sein eigenes Werkzeug namens „Twitter Sentiment“ entwickelt hat, kennt mehrere Dutzend Angebote unterschiedlicher Breite. Die meisten kommerziellen Dienste seien aber nicht so frei zugänglich wie Viralheat.

Marketing- und Netzexperten sehen jedenfalls eine wachsende Bedeutung solcher Analysewerkzeuge. Es sei zunehmend wichtig, sein Ohr „am Web“ zu haben, meint Ed Chi vom Palo Alto Research Center, der bei dem IT-Forschungslabor das „Augmented Social Cognition“-Team leitet. „Die Firmen haben eine Hassliebe zu sozialen Medien.“ Die neuen Techniken erlaubten es, Botschaften schneller zu verbreiten als je zuvor. Allerdings könne dieses Marketing eben auch schnell außer Kontrolle geraden.

Chi glaubt deshalb, dass Web-Stimmungsbarometer wie Viralheat bald Teil breiterer Public-Relations-Maßnahmen sein werden. Zukünftige Plattformen könnten Themen, die gerade diskutiert werden, dann direkt vorsortieren und mögliche Antworten vorschlagen. Auch die Analyse der Werbebotschaften, die Firmen ins Web sendeten, werde wichtiger – damit sie auch die immer häufiger gewünschte „virale“ Wirkung entfalten. „Die Social-Media-Stimmungsanalyse ist dabei Teil eines noch deutlich größeren Werkzeugkastens“, sagt Chi.

Quelle: http://www.heise.de

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