Versicherungen schlampen bei ihrem Online-Auftritt

Eine Homepage hat inzwischen jeder Versicherer, selbstverständlich. Doch die meisten Assekuranz-Unternehmen schöpfen die Möglichkeiten des Internets nach Einschätzung von Experten noch bei weitem nicht aus.

MÜNCHEN. „Die Banken sind so zwei bis drei Jahre weiter, was das Thema online betrifft“, sagte Google-Manager Stefan Hentschel auf einer Euroforum-Tagung. So hätte die Branche nach seiner Einschätzung schon vor Jahren zum Beispiel ein eigenes Vergleichstool schaffen können. „Man hat zehn Jahre verpennt.“ In den Vorstandsetagen sitze noch eine Generation, die nicht sehr internetaffin sei. „Und die Zielgruppe entfleucht ihnen in die digitale Welt.“

Für die Versicherungskunden spielt das Internet bei der Suche nach der richtigen Versicherung längst eine zentrale Rolle. Nach Google-Angaben informieren sich knapp zehn Prozent über das Internet und schließen den Vertrag dann auch online ab. Weitere 29 Prozent recherchieren im Netz und unterschreiben den Vertrag dann zum Beispiel bei einem Vertreter. Fast jeder zweite Interessent nutzt also das Internet. Dabei sind es längst nicht nur die ganz jungen Kunden, die bereits im Internet aktiv sind. 58 Prozent aller Onlinenutzer sind laut Hentschel 30 bis 59 Jahre alt. „Es geht nicht um kommende Generationen, sondern um das Jetzt.“

Ähnlich beurteilt Alfons Niebuer von der Managementberatung SMP die Lage. „Die Banken haben es sehr viel schneller verstanden, sich grundlegend mit der Frage auseinanderzusetzen“, sagte der Experte dem Handelsblatt. Es reiche nicht, einfach eine Internetseite aufzumachen. Als Informationskanal werde das Internet ja durchaus von vielen Versicherern genutzt. „Doch sobald es um die vertrieblichen Aspekte geht, wird es bei vielen heikel.“

Dabei könne das Internet die bestehenden Kanäle – wie das Vertreternetz – gut ergänzen. Google-Manager Hentschel ist zudem überzeugt, dass auch ganz neue Produkte über mobile Kanäle angeboten werden könnten. So müsste es seiner Einschätzung nach zum Beispiel eine Skiunfallversicherung für ein paar Euro geben, die junge Kunden mit dem Smartphone am Lift abschließen können.

Eine Ursache für die Defizite ist nach Hentschels Einschätzung, dass sich viele Pioniere Anfang des Jahrtausends bei ersten Experimenten eine blutige Nase geholt hätten. Schon relativ weit ist nach Einschätzung von Berater Niebuer unter anderem die Allianz als Flaggschiff der Branche.

Relativ viele Verträge werden vor allem bei Kfz-Versicherungen schon online abgeschlossen. Bei den 6,6 Millionen Neuabschlüssen im Jahr recherchiere mehr als die Hälfte der Kunden vorher im Netz nach den besten Abnietern, sagte Tim Heidfeld, Geschäftsfürer bei der Sixt-Tochter Preis24.de. Von diesen Interessenten würden dann wiederum 38 Prozent – das sind 1,4 Millionen Verträge – auch gleich den Vertrag im Internet abschließen.

Auch bei der Werbung spielt das Internet inzwischen für die Branche eine zentrale Rolle. So startete die Ergo-Gruppe nach der Umbenennung von mehreren Töchter in Ergo eine massive Werbekampagne. Dabei erzielte die Munich-Re-Tochter laut Hentschel über Youtube eine zusätzliche Reichweite von 5,5 Prozent bei Leuten, die über die TV-Werbung nicht erreicht wurden.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/rueckstaendig-versicherungen-schlampen-bei-ihrem-online-auftritt;2702796

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s