Social Media und Versicherungen: Interview mit Dr. Herfurth von friendsurance

In den letzten Wochen war ich auf einigen Veranstaltung zm Thema „Social Media und Versicherungen“.  Dort wurde von Hr Dr. Herfurth das Geschäftsmodell von friendsurance näher beleuchtet.

Da ich das Modell als eine der größten Innovationen im Bereich der Versicherungen im Zusammenspiel mit Social Media ansehe, habe ich Herrn Dr. Herfurth um ein Interview gebeten.

Kurz zur Person von Herrn Dr. Herfurth

Dr. Sebastian Herfurth, Geschäftsführer der Alecto GmbH,  studierte Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der University of Hong Kong sowie Chinesisch an der Renmin Universität in Peking. Er arbeitete als Rechtsanwalt in einer internationalen Anwalts-kanzlei in den Bereichen Akquisitionsfinanzierung und Private Equity. Heute ist er als Unternehmer tätig. Sebastian Herfurth gründete Friendsurance.

Und nun zum Interview:

Herr Dr. Herfurth, bitte erklären Sie uns wie friendsurance funktioniert und was die auslösende Idee war, friendsurance zu gründen?

Friendsurance funktioniert wie ein VVaG in sozialen Netzwerken. Wer sich mit rücksichtsvollen Personen über friendsurance zusammenschließt, kann am Ende des Jahres etwa 50% seiner Versicherungsprämie zurückerhalten. Das ist für viele Menschen eine Menge Geld.

Das Konzept von friendsurance verknüpft, wie keine zweite Versicherung, Social Media Elemente in ihr Geschäftsmodell. Viele traditionelle Versicherungen tun sich ja sehr schwer mit Social Media-Ansätzen. Warum sehen Sie für sich hier ein Potenzial oder anders gefragt: Warum sind Versicherungen sozial?

Das Produkt, das eine Versicherung anbietet ist genial: Es tun sich viele Menschen zusammen, um wenigen Menschen, die einen großen Schaden erleiden, zu helfen. Obwohl also Versicherungen heute gar nicht als sozial angesehen werden, sind sie es. Friendsurance und alle die, die friendsurance unterstützen, versuchen Versicherungen auch in der Wahrnehmung wieder sozial zu machen.

Welche Versicherungen bieten Sie aktuell und zukünftig an? Welche Versicherungen lassen sich nicht über friendsurance realisieren?

Grundsätzlich können wir über friendsurance alle die Versicherungen abbilden, bei denen Selbstbehalte einen Sinn ergeben. Das sind die meisten Schadenversicherungen. Friendsurance wird die Produktpalette sehr umsichtig stetig erweitern.

Was sind die wesentlichen Vorteile für die Erstversicherung?

Unser Ziel ist es, Erstversicherer wie Rückversicherer zu nutzen. Friendsurance bietet Erstversicherern eine Reihe von Vorteilen: Wir dämmen Betrug und die „moral hazard“- Problematik ein und bringen ihm Versicherungsnehmer, die im Durchschnitt weniger Schäden haben. Darüber hinaus können Versicherungen mit friendsurance in sozialen Netzwerken wie Facebook präsent sein.

Wie erfolgt die Abwicklung im Schadensfall? Wie erfolgt die Abwicklung im Freundeskreis und mit den Versicherungen im Hintergrund?

Unsere Schadenquote ist erwartungsgemäß sehr gering. Im Schadenfall tritt friendsurance als Clearingstelle auf.
Tritt kein Schaden auf, dann erhalten der Versicherungsnehmer und diejenigen, die sich mit ihm auf friendsurance verknüpft haben, etwa die Hälfte der Versicherungsprämie zurück. Kommt es zu einem Schaden, dann nimmt friendsurance das Geld, das sonst an den Versicherungsnehmer als Rückzahlung ginge, und transferiert es dorthin, wo es gebraucht wird: Zum Versicherungsnehmer mit dem Schaden.

Dieses System macht es den Versicherungsnehmern einfach, denn sie müssen ihrem Geld nicht hinterherlaufen. Friendsurance nimmt so das Bonitätsrisiko aus dem System. Auch für die Versicherungen ist es unproblematisch, denn friendsurance übernimmt die Arbeit.

Vertrauen spielt in ihrem Modell eine große Rolle. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die sozialen Freundesnetzwerke im Schadenfall überstrapaziert werden? Es gibt ja das Sprichwort „beim Geld hört die Freundschaft auf“. Wie stehen Sie zu diesem „Sozialen Faktor“?

Bei friendsurance kann man nur gewinnen: Kommt es im individuellen Sicherheitsnetz zu keinem Schaden, dann bekommen alle die Hälfte ihrer Versicherungsprämien zurück. Kommt es zu einem oder mehreren Schäden, dann bekommt jeder weniger oder gar nichts zurück. Draufzahlen muss bei friendsurance niemand. Im schlimmsten Fall steht man da, wo man vorher war. Wir ermöglichen es Menschen Teams zu bilden und sich ihre Versicherungsprämien zum Teil zurückzuholen, wenn sie sich gut verhalten haben.

Das Modell ist ja für „Ottonormalverbraucher“ schon etwas erklärungsbedürftig. Ich sehe daher in der Vermarktung von friendsurance eine große Herausforderung. Wie gehen Sie das Thema an?

Tatsächlich liegt hier die große Herausforderung von friendsurance. Versicherungen sind grundsätzlich erklärungsbedürftig und das System von friendsurance ist neu. Wir testen sehr systematisch Kommunikationswege und haben in den letzten Wochen viel gelernt. Da, wo wir hinwollen, sind wir noch lange nicht. Aber wir sind auf einem guten Weg.
„Schließt Euch mit rücksichtsvollen Menschen auf friendsurance zusammen und holt Euch jeder etwa 50% Eurer bezahlten Versicherungsprämien zurück, wenn Ihr keine Schäden verursacht“ – das ist ein Weg friendsurance leichter zu erklären. Brauchten wir früher in Videos 3:45 Minuten, um unser Konzept zu erklären, so reichen uns heute 23 Sekunden.

Verraten Sie uns etwas über die neuesten Innovationen, an denen friendsurance arbeitet?

Das Einzige was uns derzeit interessiert, sind die Nutzer von friendsurance. Wenn sie zufrieden sind und friendsurance einfach verstehen, dann haben wir eine große Innovation geschaffen.
Darüber hinaus arbeiten wir natürlich immer an neuen Produkten. Wir wollen qualitativ hochwertige Versicherungen zu kleinen Preisen anbieten. Hoffentlich können wir schon bald mit einer smartphone-Versicherung starten.

Was ist momentan Ihre größte Herausforderung?

Wir suchen permanent gute Mitarbeiter, die friendsurance unterstützen. Ich würde mich sehr über Bewerbungen freuen.

ENDE.

Herr Dr. Herfurth, ich bedanke mich recht herzlich für das Interview!

2 Antworten zu “Social Media und Versicherungen: Interview mit Dr. Herfurth von friendsurance

  1. Ich halte Friendsurance für den ersten gelungenen Ansatz den Social Media Gedanken und Versicherungsprodukte zu verknüpfen. Eine Win-Win-Win-Situation für alle: Günstige Prämien für Kunden, die Freunde und Familie anwerben, und „gute“ Risiken für die Versicherer.

    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und ob die Idee zündet.
    Ich bin schonmal überzeugt!

  2. Pingback: Erfahrungen und Zahlen zur Friendsurance | Versicherung2.0

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